4,5 Jahre im Departement stationäre Versorgung und Tarife

4,5 Jahre im Departement stationäre Versorgung und Tarife

Im Zentralvorstand der FMH sass in den letzten Jahren immer ein Mitglied des VLSS-Vorstandes und sah sich einer deutlichen Mehrheit aus der Praxis gegenüber. Der VLSS-Vertreter trat aus einer Minderheitsposition für die Anliegen der Kaderärzteschaft ein. In der letzten Amtsperiode war dies gut möglich, denn der Zentralvorstand verstand seine Rolle als Vertretung der gesamten Ärzteschaft. An der Ärztekammer im Oktober 2020 wurde der Kandidat des VLSS nicht gewählt, sodass nun ein Mitglied des obersten VSAO-Gremiums die Ärzteschaft aus den Spitälern vertritt. Jana Siroka, gewählte Kandidatin des VSAO, hat per 1.1.2021 das Departement stationäre Versorgung und Tarife übernommen. Drei erhobene Daumen waren Titel des Departementsberichtes für die letzte Ärztekammer, denn alle Legislaturziele wurden erreicht:

Es gelang den bestehenden Managementkurs gemeinsam mit «H+ Bildung» so weiterzuentwickeln,dass er als Modul für ein CAS der Berner Fachhochschule in Management im Gesundheitswesen anerkannt wird. Der durchschlagende Erfolg des Projektes Coach my Career ist auch ein wichtiger Beitrag zum Zusammenhalt der FMH, indem sich SIWF, mfe, VSAO, swimsa, VLSS und der Zentralvorstand der FMH weiterhin gemeinsam für dieses Ziel einsetzen. Und das generationenübergreifende Angebot hilft, die FMH auch bei den Jungen attraktiv zu machen. In den jährlichen Umfragen bei einer repräsentativen Stichprobe der gesamten Ärzteschaft wurde dieser der Puls gefühlt zu regelmässig wieder gestellten Fragen wie auch zu aktuellen Themen. So konnten neben langjährigen Trends erste Einschätzungen zu «ambulant vor stationär» oder Corona aufgezeigt werden.

2018 wurde der neue Tarif für die stationäre Psychiatrie TARPSY mit Erfolg eingeführt. Im Dezember 2020 wurde die Stellungnahme zur Einführungsversion des neuen Tarifs für die stationäre Rehabilitation ST Reha mit der Fachgruppe Rehabilitation erarbeitet. Wird dieser Tarif durch die DV der FMH und anschliessend im Verwaltungsrat der SwissDRG zuhanden des Bundesrates verabschiedet und von diesem genehmigt, so ist das grosse Ziel der eidgenössischen Räte von 2009 erreicht: Für alle Leistungen im stationären Bereich bestehen leistungsorientierte Pauschalen, die durch eine neutrale Stelle (die SwissDRG AG) erarbeitet werden, unter enger Mitwirkung der FMH, der Spitäler, der Krankenkassen und der Kantone. Dies zeigt, wie wichtig der Verwaltungsratssitz der SwissDRG AG ist, welcher zu den Aufgaben des Departements gehört. Unter dem Radar der Öffentlichkeit gelang es in den letzten vier Jahren, den Einfluss der FMH in den Gremien und damit bei den Entscheiden der SwissDRG deutlich zu steigern. Dies kam auch der DRG-Tarifstruktur sehr zugute.

Meine Nachfolgerin wird in verschiedenen Bereichen gefordert werden. In der ersten Hälfte 2021 rückt bei den stationären Tarifen die Verwendbarkeit der Daten 2020 ins Zentrum, weil die Daten durch Corona möglicherweise verzerrt sind. Zwei Versorgungsfragen konnte das Departement 2020 wegen Corona nicht aufnehmen: Wie stellt sich die Ärzteschaft zur Schliessung von stationären Angeboten? Trotz Pandemie werden Spitäler vermehrt in ambulante Leistungszentren umfunktioniert werden. Diesen Prozess muss zwingend durch die Expertise der Ärzteschaft geprägt werden, indem fachlich fundierte Positionen erarbeitet werden. Nur so bekommt die Ärzteschaft eine wirksame Stimme.

Das zweite Thema sind die unerforschten Veränderungen im Schweizer Gesundheitswesen durch die Einführung der Spitalverwaltungsräte. Welches sind die Auswirkungen? Im Rahmen der Entwicklung des ambulanten Tarifs kam es zu einer Distanzierung zwischen H+ und der FMH. Für das Departement stationäre Versorgung und Tarife ist das untragbar, denn viele Themen werden in enger Abstimmung mit den Gremien von H+ bearbeitet. Hier besteht Handlungsbedarf. Zum Schluss noch das Stichwort «erfolgreiche Tarifentwicklung»: Die SwissDRG ist unabhängig, das heisst sie behandelt die Leistungserbringer und die Bezahlenden gleich. Die neutrale SwissDRG hat alle Daten und erarbeitet daraus die Tarifstruktur datenbasiert. Vermutet jemand Fehler in der Tarifstruktur, so kann er einen begründeten Antrag stellen. Dieser wird datenbasiert geprüft. Ergibt sich daraus eine plausible neue Lösung, so wird diese mit der nächsten Tarifversion eingeführt. So funktioniert die stationäre Tarifentwicklung gut, und im Verwaltungsrat der SwissDRG können die Vertretungen der Krankenkassen, der Kantone, der Spitäler und der FMH erfolgreich Lösungen finden.