Was junge Ärztinnen und Ärzte von ihren Chefs erwarten

Was junge Ärztinnen und Ärzte von ihren Chefs erwarten

Wie zufrieden sind die Ärztinnen und Ärzte in Schweizer Spitälern mit ihrer Arbeitssituation? Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz geht dieser Frage nach.

Die Forscher fragten nach den Wert- und Berufsvorstellungen der Ärzte, nach ihren Ansprüchen an die Team- und Führungskommunikation und nach der Arbeitszufriedenheit und dem Wohlbefinden. Rund 1500 Ärztinnen und Ärzte nahmen im Herbst 2019 an der Befragung teil. Insgesamt ist die Berufsgruppe mit ihrer Arbeit zufrieden, obwohl viele noch Potenzial für Verbesserungen erkennen. Gute Führungskommunikation, die in dieser Studie mit Umgangston, Informationsqualität, Führungsstil, vertrauensvollem Umgang und Feedback abgefragt wurde, trägt bei allen Befragten wesentlich zur Arbeitszufriedenheit bei. Besonders wichtig sind die Faktoren Umgangston, Informationsqualität und Feedback. Auffällig ist, dass die Ärzte der Generation Y (geboren 1981-2000) stärker auf einen positiven oder negativen Umgangston reagieren als die Kollegen der älteren Generationen. Die Qualität der Information hingegen beeinflusst die Arbeitszufriedenheit aller Altersgruppen gleichermassen. Generell werden der Umgangston und die Informationsqualität an Schweizer Spitälern als positiv bewertet. Feedback hingegen wird vermisst – kein Arzt erhält so viel Feedback wie er sich wünscht.

Die Arbeit beeinflusst das Privatleben

In einem weiteren Punkt unterscheidet sich die junge Generation von den älteren Berufskollegen: Befragte der Generation Y schneiden beim Wohlbefinden signifikant schlechter ab. Die Mehrheit dieser Gruppe gibt an, dass die Arbeit oft so viel Energie beansprucht, dass sich dies negativ auf das Privatleben auswirkt. Die Daten zeigen zudem, dass Frauen ein signifikant schlechteres Wohlbefinden haben als Männer. Tatsächlich hat eine Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte schon einmal darüber nachgedacht, aus dem Beruf auszusteigen. Ein Fünftel der Befragten zieht einen Ausstieg ernsthaft in Betracht oder hat diesen Schritt schon gemacht.

Stellenwert der Arbeit

Der Blick auf die Wertvorstellungen der befragten Ärztinnen und Ärzte zeigt ein recht homogenes Bild. Die Arbeit hat bei den Babyboomern (vor 1965 geboren) den höchsten Stellenwert in deren Leben. In den folgenden Generationen nimmt er ab. Am tiefsten wird dieser Bereich von der Generation Y gewichtet. Ein Unterschied ist auch zwischen den Geschlechtern auszumachen. Während die Karriereplanung bei Männern eher im Vordergrund steht, legen die befragten Frauen mehr Wert auf das Mitbestimmen der Arbeitsinhalte und auf die Arbeitszeiten. Einig sind sich die meisten Befragten, dass ihre Work-Life-Balance verbesserungswürdig ist.

Generation Y mit eigenen Bedürfnissen

Die Umfrage zeigt, dass eine wertschätzende Führungskommunikation, ein positiver Umgangston und ein proaktives Informationsverhalten die Arbeitszufriedenheit der jungen Ärztinnen und Ärzte stark verbessert. Erfüllen Vorgesetzte und Chefärzte diese Erwartungen, schaffen sie eine bessere Arbeitsatmosphäre und motivieren die jungen Ärztinnen und Ärzte. So können Ausstiege aus dem Beruf vermieden werden. Junge Ärzte schätzen den Umgangston und die Informationsqualität an Schweizer Spitälern, sie wünschen sich aber von ihren Vorgesetzen mehr Feedback.